Rostocker können archäologische Ausstellung betreuen – Grabungsergebnisse vom Primelberg werden vorgestellt

Kröpeliner Straße in Rostock
Kröpeliner Straße in Rostock

(HRO) Erste Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen am Primelberg werden jetzt in einer Poster-Ausstellung sowie bei Führungen vor Ort der Öffentlichkeit vorgestellt, teilt das Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen mit. Rund 15 großformatige Poster präsentieren ab 21. Juli 2017 zunächst werktags für rund drei Wochen in einem Container an der Baustelleneinrichtung am Dierkower Damm die Grabungen.

Einwohner aus den angrenzenden Stadtteilen können bei Interesse die Ausstellung betreuen und damit auch deren Präsentation verlängern. „Dies wäre ein beeindruckendes Engagement unserer Rostocker für die Geschichte ihrer Hansestadt. Wir erhoffen uns gerade vor unserem großen 800-jährigen Stadtjubiläum viele archäologisch interessierte Ausstellungsbetreuer, die mit uns gemeinsam die Historie dieser Stadt pflegen wollen“, unterstreicht die Leiterin des Amtes für Kultur, Denkmalpflege und Museen Dr. Michaela Selling.

Anlass der Präsentation ist die vorerst letzte dreiwöchige Grabungskampagne des Deutschen Archäologischen Instituts am Primelberg, die am 24. Juli beginnt. „Wir würden uns freuen, wenn es hier perspektivisch weitergehen könnte und noch viele wertvolle Funde zu Tage treten können, an denen das Publikum auch über die Stadtgrenzen hinaus begeistert Anteil nehmen kann“, so Dr. Michaela Selling.

Besucher haben auch die Möglichkeit, zur Grabungsstelle in der Niederung zu wandern und die Grabungsarbeiten und den Fundplatz aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen.Das Grabungsteam bietet darüber hinaus auch qualifizierte Führungen zu den Grabungsergebnissen in Dierkow. Diese werden jeweils am Mittwoch (26. Juli, 2. August, 9. August) ab 16 Uhr angeboten. Treffpunkt für Interessierte ist der am Dierkower Damm hinter der ehemaligen Deponie Richtung Warnow führende Rad- und Fußweg. Parkmöglichkeiten sind dort nicht vorhanden. Die Bushaltestelle „Schenkendorfweg“ befindet sich in nur rund 75 Meter Entfernung. Vom Treffpunkt geht es dann in geführten Gruppen zur Grabungsstelle.

Seit mehreren Jahren, und in diesem Jahr letztmalig, finden in Dierkow am so genannten Primelberg saisonal begrenzte archäologische Untersuchungen statt. Beim Primelberg handelt es sich um einen Teil einer bedeutenden frühslawischen Siedlung des 8. und 9. Jahrhunderts. Die durch das Deutsche Archäologische Institut in Berlin und das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven durchgeführten Ausgrabungen sind Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten mehrjährigen Forschungsprojektes zu frühmittelalterlichen Seehandelsplätzen an der südlichen Ostseeküste und ihren Häfen. Gleichzeitig dient die Grabung als Lehrgrabung für Archäologiestudenten verschiedener Universitäten.

Dierkow gehörte zu den wenigen Handels- und Marktplätzen an der südlichen Ostseeküste, an denen sich im 8. und 9. Jahrhundert der wirtschaftliche Austausch zwischen wikingischen und slawischen Bevölkerungsgruppen abspielte. Am Primelberg haben sich Siedlungs- und Hafenreste in der feuchten Niederung einer verlandeten Bachniederung überragend gut erhalten. Seit der Zeit um 750 nach Christi Geburt ist diese präurbane Siedlung in Dierkow nachweisbar und markiert damit den Beginn eines bedeutenden Siedlungszentrums an der Unterwarnow, das im 11. und 12. Jahrhundert seine Fortsetzung mit der Fürstenburg auf der so genannten Petribleiche unterhalb von St. Petri fand und dann fast nahtlos in die mittelalterliche Hansestadt Rostock überging.