Kulturhistorisches Museum – Endlich eine Neubauwohnung – Ideal Wohnen in Rostock

Kulturhistorisches Museum Rostock
Kulturhistorisches Museum Rostock

Die baulichen Verluste durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges waren verheerend, in den von der Zerstörung verschonten Häusern lebten die noch in Rostock verbliebenen Menschen, deren Anzahl sich durch die Kriegswirren halbiert hatte. Zahlreiche Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten ließen die Bevölkerungszahlen wieder auf das Vorkriegsniveau steigen und die Wohnungsnot erhöhen. Ausschlaggebender für die weitere Entwicklung war aber die Gründung der DDR. Durch die Grenzziehung fiel der Hamburger Hafen als Umschlagplatz für die Waren des Landes aus, Rostock stellte sich als der geeigneter Standort für einen eigenen Überseehafen heraus, der schließlich errichtet wurde. Hinzu kommt natürlich auch die Aufwertung der Stadt zur Bezirksstadt des gleichnamigen Bezirkes, weshalb hier zahlreiche Kombinate angesiedelt beziehungsweise ausgebaut wurden. Das Resultat war ein ständig wachsender Bedarf an Wohnraum für die Beschäftigten, der zum einen preiswert, zum anderen schnell errichtet werden musste. Als Lösung dafür brachte man damals Plattenbausiedlungen ins Spiel, Plattenbausiedlungen die letztendlich auch das Stadtbild Rostocks prägen sollten.

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Die Planungen gingen davon aus, dass man Rostock und das zu Rostock gehörende Warnemünde städtebautechnisch miteinander verbinden wollte, und plante einige der zu entstehenden Wohngebiete, wie Reutershagen, Schmarl, Lütten Klein, Groß Klein und Lichtenhagen, westlich der Warnow. 1965 begann man damit, die ersten Häuser in Lütten Klein zu errichten, deren Aussehen und Umgebung sich im Laufe der Zeit verändert haben. Was blieb sind die Erinnerungen in Form von Plänen und Fotografien, die das Herzstück der aktuellen Sonderausstellung des Kulturhistorischen Museums bilden. Mit dem Titel Endlich eine Neubauwohnung – Ideal Wohnen in Rostock wird schon ausgedrückt, was die Menschen fühlten, wenn sie eine solche Neubauwohnung zugeteilt bekamen. Während die Häuser in der Altstadt dem Verfall preisgegeben wurden, was sich auf die Lebensbedingungen der Mieter negativ auswirkte, und deshalb zum Teil in den 80ér Jahren der Abrissbirne zum Opfer fielen, war das Wohnen in einer hellen mit Fernwärme ausgestatteten Wohnung der reinste Luxus. Entsprechend begehrt waren die nicht unbedingt schönen, dafür aber komfortablen Wohnungen in der Bevölkerung.

Seit dem ersten Spatenstich sind fast fünfzig Jahre vergangen, fünfzig Jahre in denen viel passiert ist. Vom einfachen Acker hin zum Wohngebiet mit tausenden Wohnungen und sozialen Einrichtungen wie Schulen und Kaufhallen war es ein weiter Weg, wie die vielen ausgestellten Bilder dokumentieren, welche die städtebauliche Entwicklung in den Jahren zwischen 1953 und 1990 beleuchten. Da die Neubaugebiete nacheinander entstanden, lässt sich eine Entwicklung des Baustils und den Anforderungen an den sozialistischen Wohnungsbau ablesen, die mit den Jahren die ästhetischen Gesichtspunkte vernachlässigten und nur noch den gravierenden Wohnungsmangel beseitigt sehen wollten. Während die real existierenden Plattenbauten heute ein Zeugnis ihrer Planungen abgeben, beschäftigt sich ein Teil der Ausstellung Endlich eine Neubauwohnung – Ideal Wohnen in Rostock mit den nicht realisierten Bauprojekten, die ein Bild davon vermitteln, wie Rostock hätte aussehen können, wenn das Geld und die Baumaterialien in größeren Mengen zur Verfügung gestanden hätten, um sie zu realisieren. Führungen durch die Ausstellung werden übrigens an jedem Donnerstag um 14:00 Uhr angeboten.

Termin
24. Januar bis 25. Mai 2014
Kulturhistorisches Museum
Dienstag bis Sonntag
10:00 – 18:00 Uhr
Eintritt frei