Kunsthalle Rostock – Pingo Ergo Sum

Kunsthalle Rostock
Kunsthalle Rostock

Über die Frage, was Kunst eigentlich ist, lässt sich streiten. Fest steht nur, dass die Kunst eine geistige Leistung voraussetzt, welche der Künstler mit der Hilfe seiner beiden Hände in seinen von ihm geschaffenen Objekten ausdrückt. Und hier liegt wiederum die Schwäche der Kunst, denn damit man die im Geist geschaffenen Vorstellungen in der Realität so umsetzten kann, wie man es gerne hätte, benötigen die Künstlerinnen und Künstler eine gehörige Portion Talent, denn nicht jeder kann so gut mit Pinsel und Farben umgehen, wie beispielsweise die alten Meister, deren Werke heutzutage Millionen wert sind. Bei der derzeitigen Sonderausstellung in der Rostocker Kunsthalle mit dem Pingo Ergo Sum – Das Bild fällt aus dem Hirn wird keines der hier ausgestellten Bilder auf die übliche Weise geschaffen worden sein, denn diese Bilder wurden mit der Hilfe der Gehirnströme erzeugt, welche durch ein Computerprogramm ausgewertet und in ein Bild übertragen wurden. Begonnen hat die Geschichte des Brain Paintings mit Jörg Immendorf, einem der bekanntesten zeitgenössischen Maler Deutschlands, welcher an Amyotrophe Lateralsklerose erkrankte, und daher nicht mehr weiter malen konnte. Das wiederum brachte Adi Hoesle auf die Idee brachte das Prinzip des Brain Paintings zu entwickeln. Und hier beginnt sich die Kunst wie wir sie kennen von den gestaltenden Händen zu trennen und eine direktere Verbindung zur Leinwand aufzubauen.

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Das Prinzip des Brain Paintings ist leichter zu beschreiben als umzusetzen, denn die Programmierung benötigte mehrere Jahre, so dass Jörg Immendorf von dieser neuen Technik nicht mehr profitieren konnte. Durch eine Auswertung der Gehirnströme, welche bei einem bestimmten Reiz eine auffällige Form aufweisen, kann man den offensichtlichen Willen der ausgewerteten Person erkennen und dementsprechend ausführen. Ein ähnliches Prinzip wurde vorher schon in Programmen umgesetzt, mit welche die gelähmten Patienten mit der Hilfe einer visuellen Tastatur sich mit ihrer Umwelt verständigen konnten, indem sie durch ihre Gehirnströme einen Text auf dem Monitor verfassen konnten. Das Brain Painting funktioniert etwas anders als das Schreiben mit der virtuellen Tastatur. Man schaut auf einen Block mit Symbolen und konzentriert sich auf das bestimmte Symbol, welches man auswählen möchte. Vom Computer werden die Symbole in einer vom Computer vorgegebenen Reihenfolge kurz aufgehellt und die Gehirnreaktion ausgewertet. Beim ausgewählten Symbol sind die gemessenen Werte der sogenannten P300-Welle besonders stark ausgeprägt und somit kann man die vom Probanden getätigte Auswahl ermitteln. Bei dieser Prozedur muss man sich minutenlang konzentrieren können, die gestalterischen Sitzungen können daher auch mehrere Stunden andauern.

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Bei der Sonderausstellung in der Kunsthalle Rostock wird Adi Hoesle nicht nur seine Werke präsentieren, sondern auch die anderer Künstlerinnen und Künstler, welche er für dieses Projekt begeistern konnte. In den Ausstellungsräumen wird man nicht nur die von ihnen geschaffenen Bilder sehen können, sondern auch eine Dokumentation über den Schaffensprozess. Laut Angaben der Rostocker Kunsthalle wird man unter den teilnehmenden Künstler Erwin Wurm, Günther Förg, Katharina Große und Norbert Schwontkowski finden können. Neben der Präsentation der Kunstwerke wird es auch eine Performance-Malerei durch die ebenfalls an ALS erkrankte Angela Jansen geben, so dass man die Anwendung dieser Technik bei einem Besuch der Ausstellung miterleben kann. Auch die Besucher der Kunsthalle können sich versuchen, ihre Gedanken in Bildern auszudrücken. Neben der Ausstellung wird es ein Rahmenprogramm geben, in welchem sich wissenschaftlich mit der Thematik des Brain Paintings beschäftigt wird.

Beim Brain Painting stellt sich den Besuchern einmal deutlicher die Frage was Kunst ist und was ein Künstler. Ist der Künstler derjenige, welcher die Kunstwerke fertigte oder derjenige, welcher nur die Idee zu diesem Kunstwerk hatte? Ist Kunst eigentlich nur das, was ein Künstler mit den Händen geschaffen hat, oder ist Kunst auch das, was dessen Gedanken formten. Die Ausstellung Pingo Ergo Sum – Das Bild fällt aus dem Hirn kann man übrigens noch bis zum 28. Mai 2012 besuchen. Gleichzeitig gibt es übrigens eine zweite Ausstellung in der Kunsthalle Rostock, in der Werke junger schwedischer Künstlerinnen und Künstler präsentiert werden.

Termine
18. März bis 28. Mai 2012
Kunsthalle Rostock
Dienstag bis Sontag
11:00 – 18:00 Uhr


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